Nummerierte Lehrreden 3.60
6. Das Kapitel mit Brahmanen
Mit Saṅgārava
Da ging der Brahmane Saṅgārava zum Buddha und tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus.
Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzte er sich zur Seite hin und sagte zum Buddha:
„Werter Gotama, man nennt uns Brahmanen.
Wir bringen Opfer dar und ermuntern andere dazu, Opfer darzubringen.
Nun tut, werter Gotama, sowohl der Mensch, der ein Opfer darbringt, als auch der, der andere dazu ermuntert, Gutes für viele Menschen mit diesem Opfer.
Aber, werter Gotama, wenn jemand aus dem Haus fortgezogen ist ins hauslose Leben, dann bändigt und beruhigt dieser Mensch nur sich selbst, bringt nur sich selbst zum Erlöschen. Wenn das so ist, dann tut er mit diesem Fortziehen nur Gutes für einen Menschen.“
„Nun, Brahmane, ich werde dir dazu Gegenfragen stellen, und du kannst antworten, wie du möchtest.
Was meinst du, Brahmane?
Da erscheint ein Klargewordener in der Welt, ein Vollendeter, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.
Er sagt:
‚Kommt, das ist der Weg, das ist die Übung. Indem ich so geübt habe, habe ich den unübertrefflichen Höhepunkt des geistlichen Lebens durch eigene Einsicht erkannt, und ich erkläre ihn.
Kommt, übt ebenso, und auch ihr werdet den unübertrefflichen Höhepunkt des geistlichen Lebens durch eigene Einsicht erkennen und darin leben.‘
So lehrt der Lehrer den Dhamma und andere üben danach, zu Hunderten und Tausenden und Hunderttausenden.
Was meinst du, Brahmane?
Wenn das so ist, tun sie mit ihrem Fortziehen nur Gutes für einen Menschen oder für viele Menschen?“
„Wenn das so ist, werter Gotama, dann tun sie mit ihrem Fortziehen Gutes für viele Menschen.“
Daraufhin sagte der Ehrwürdige Ānanda zu Saṅgārava:
„Brahmane, welche der beiden Übungen, denkst du, erfordert weniger Voraussetzungen und Aufwand und bringt reichere Frucht und größeren Vorteil?“
Saṅgārava sagte zu Ānanda:
„Solche Menschen wie den werten Gotama und den werten Ānanda
ehre und preise ich!“
Zum zweiten Mal sagte Ānanda zu Saṅgārava:
„Brahmane, ich habe dich nicht gefragt,
wen du ehrst und preist.
Ich habe gefragt,
welche der beiden Übungen deiner Meinung nach weniger Voraussetzungen und Aufwand erfordert und reichere Frucht und größeren Vorteil bringt.“
Zum zweiten Mal sagte Saṅgārava zu Ānanda:
„Solche Menschen wie den werten Gotama und den werten Ānanda
ehre und preise ich!“
Zum dritten Mal sagte Ānanda zu Saṅgārava:
„Brahmane, ich habe dich nicht gefragt,
wen du ehrst und preist.
Ich habe gefragt,
welche der beiden Übungen deiner Meinung nach weniger Voraussetzungen und Aufwand erfordert und reichere Frucht und größeren Vorteil bringt.“
Zum dritten Mal sagte Saṅgārava zu Ānanda:
„Solche Menschen wie den werten Gotama und den werten Ānanda
ehre und preise ich!“
Da kam dem Buddha in den Sinn:
„Obwohl Ānanda ihm dreimal eine vernünftige Frage gestellt hat, zögert Saṅgārava und antwortet nicht.
Warum helfe ich ihm nicht aus seinem Dilemma?“
Und der Buddha sagte zu Saṅgārava:
„Brahmane, welches Gespräch kam heute beim Gefolge des Königs auf, als es am königlichen Hof zusammensaß?“
„Werter Gotama, das kam auf:
‚Es scheint, früher gab es weniger Mönche und Nonnen, aber mehr von ihnen boten übermenschliche Demonstrationen übersinnlicher Kraft dar.
Heutzutage hingegen gibt es mehr Mönche und Nonnen, aber weniger von ihnen bieten übermenschliche Demonstrationen übersinnlicher Kraft dar.‘
Dieses Gespräch kam heute beim Gefolge des Königs auf, als es am königlichen Hof zusammensaß.“
„Brahmane, es gibt drei Demonstrationen.
Welche drei?
Eine Demonstration übersinnlicher Kraft, die Demonstration einer Enthüllung und eine Lehrdemonstration.
Und was ist die Demonstration übersinnlicher Kraft?
Es ist, wenn jemand die vielen Arten übersinnlicher Kraft ausübt: sich vervielfältigen und wieder eins werden; erscheinen und verschwinden; ungehindert durch eine Mauer, einen Erdwall oder einen Berg gehen wie durch leeren Raum; in die Erde eintauchen und wieder auftauchen, als wäre sie Wasser; über das Wasser gehen, als wäre es Land; mit gekreuzten Beinen durch die Luft fliegen wie ein Vogel; Sonne und Mond, so mächtig und gewaltig, mit der Hand berühren und streicheln; den Körper beherrschen bis hin zur Brahmāwelt.
Das nennt man die Demonstration übersinnlicher Kraft.
Und was ist die Demonstration einer Enthüllung?
In einem Fall enthüllt jemand mithilfe eines Merkmals:
‚Das denkst du gerade, so ist dein Gedanke, so ist dein Geisteszustand.‘
Und selbst wenn man solche Dinge oft enthüllt, zeigt sich, dass es genauso ist und nicht anders.
In einem anderen Fall enthüllt jemand, nachdem er es von Menschen oder nicht-menschlichen Wesen oder Gottheiten gehört hat:
‚Das denkst du gerade, so ist dein Gedanke, so ist dein Geisteszustand.‘
Und selbst wenn man solche Dinge oft enthüllt, zeigt sich, dass es genauso ist und nicht anders.
In einem anderen Fall enthüllt jemand, indem er hört, wie der Ton eines Gedankens sich ausbreitet, wenn jemand denkt und erwägt:
‚Das denkst du gerade, so ist dein Gedanke, so ist dein Geisteszustand.‘
Und selbst wenn man solche Dinge oft enthüllt, zeigt sich, dass es genauso ist und nicht anders.
In einem anderen Fall erfasst jemand den Geist eines Menschen, der die Versenkung erreicht hat, in der man den Geist nicht ausrichtet und hält. Er versteht:
‚Wenn man davon ausgeht, wie die Absichten dieses Menschen ausgerichtet sind, so wird er unmittelbar, nachdem er aus diesem Geisteszustand auftaucht, diesen Gedanken denken.‘
Und selbst wenn man solche Dinge oft enthüllt, zeigt sich, dass es genauso ist und nicht anders.
Das nennt man die Demonstration einer Enthüllung.
Und was ist eine Lehrdemonstration?
Da leitet jemand andere so an:
‚Denke so, nicht so. Richte den Geist auf dieses, nicht auf jenes. Gib dieses auf, erlange jenes und lebe mit dieser Errungenschaft.‘
Das nennt man eine Lehrdemonstration.
Das sind die drei Demonstrationen.
Welche dieser drei Demonstrationen betrachtest du als vortrefflicher und erlesener?“
„Wenn ich das betrachte, werter Gotama,
so wird eine Demonstration übersinnlicher Kraft nur von dem erlebt, der sie vorführt, sie geschieht nur für ihn.
Das erscheint mir wie eine Illusion.
Und die Demonstration, bei der jemand etwas mithilfe eines Merkmals enthüllt,
oder nachdem er es von Menschen oder nicht-menschlichen Wesen oder Gottheiten gehört hat,
oder indem er hört, wie der Ton eines Gedankens sich ausbreitet, wenn jemand denkt und erwägt,
oder indem er den Geist eines anderen Menschen erfasst,
– auch diese Demonstration wird nur von dem erlebt, der sie vorführt, sie geschieht nur für ihn.
Auch das erscheint mir wie eine Illusion.
Aber die Demonstration, bei der jemand andere so anleitet:
‚Denke so, nicht so. Richte den Geist auf dieses, nicht auf jenes. Gib dieses auf, erlange jenes und lebe mit dieser Errungenschaft.‘
– diese Demonstration gefällt mir am besten, werter Gotama. Sie ist vortrefflicher und erlesener unter den drei Demonstrationen.
Es ist unglaublich, werter Gotama, es ist erstaunlich,
wie treffend das vom werten Gotama gesagt wurde. Wir betrachten den werten Gotama als jemanden, der die drei Demonstrationen besitzt.
Denn der werte Gotama übt die vielen Arten übersinnlicher Kraft aus … und beherrscht den Körper bis hin zur Brahmāwelt.
Und der werte Gotama erfasst den Geist eines Menschen, der die Versenkung erreicht hat, in der man den Geist nicht ausrichtet und hält. Er versteht:
‚Wenn man davon ausgeht, wie die Absichten dieses Menschen ausgerichtet sind, so wird er unmittelbar, nachdem er aus diesem Geisteszustand auftaucht, diesen Gedanken denken.‘
Und der werte Gotama leitet andere so an:
‚Denke so, nicht so. Richte den Geist auf dieses, nicht auf jenes. Gib dieses auf, erlange jenes und lebe mit dieser Errungenschaft.‘“
„Deine Worte sind offensichtlich dreist und zudringlich, Brahmane.
Dennoch will ich dir antworten.
Denn ich übe tatsächlich die vielen Arten übersinnlicher Kraft aus … und beherrsche den Körper bis hin zur Brahmāwelt.
Und ich erfasse den Geist von einem, der die Versenkung erreicht hat, in der man den Geist nicht ausrichtet und hält. Ich verstehe:
‚Wenn man davon ausgeht, wie die Absichten dieses Menschen ausgerichtet sind, so wird er unmittelbar, nachdem er aus diesem Geisteszustand auftaucht, diesen Gedanken denken.‘
Und ich leite andere so an:
‚Denke so, nicht so. Richte den Geist auf dieses, nicht auf jenes. Gib dieses auf, erlange jenes und lebe mit dieser Errungenschaft.‘“
„Aber werter Gotama, gibt es außer dem werten Gotama auch nur einen anderen Mönch, der diese drei Demonstrationen besitzt?“
„Es gibt nicht nur hundert Mönche und Nonnen, Brahmane, die diese drei Demonstrationen besitzen, auch nicht zweihundert, dreihundert, vierhundert oder fünfhundert, sondern viel mehr.“
„Aber wo sind diese Mönche und Nonnen jetzt?“
„Direkt hier, Brahmane, in diesem Saṅgha von Mönchen und Nonnen.“
„Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich!
Als würde er das Umgestürzte aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder im Dunkeln ein Licht anzünden, sodass Menschen mit klaren Augen sehen könnten, was da ist, so hat der werte Gotama die Lehre auf vielerlei Weise klargemacht.
Ich nehme Zuflucht zum werten Gotama, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen.
Von diesem Tag an soll der werte Gotama mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“
Kommentar [0]