Nummerierte Lehrreden 3.67
7. Das große Kapitel
Diskussionsthemen
„Mönche und Nonnen, es gibt drei Diskussionsthemen.
Welche drei?
Man spricht über die Vergangenheit:
‚So war es in der Vergangenheit.‘
Man spricht über die Zukunft:
‚So wird es in der Zukunft sein.‘
Oder man spricht über die Gegenwart:
‚So ist es jetzt in der Gegenwart.‘
An der Art, wie eine Person an einer Diskussion teilnimmt, kann man erkennen, ob sie zum Diskutieren fähig ist oder nicht.
Wenn eine Person etwas gefragt wird, das kategorisch beantwortet werden muss, und sie beantwortet es nicht kategorisch; oder wenn es eine Aufgliederung benötigt, und sie antwortet, ohne es aufzugliedern; oder wenn eine Gegenfrage gestellt werden muss, und sie antwortet ohne Gegenfrage; oder wenn eine Frage ausgelassen werden muss, und sie lässt sie nicht aus – dann ist diese Person nicht zum Diskutieren fähig.
Wenn eine Person etwas gefragt wird, das kategorisch beantwortet werden muss, und sie beantwortet es kategorisch; oder wenn es eine Aufgliederung benötigt, und sie antwortet, nachdem sie es aufgegliedert hat; oder wenn eine Gegenfrage gestellt werden muss, und sie antwortet mit einer Gegenfrage; oder wenn eine Frage ausgelassen werden muss, und sie lässt sie aus – dann ist diese Person zum Diskutieren fähig.
An der Art, wie eine Person an einer Diskussion teilnimmt, kann man erkennen, ob sie zum Diskutieren fähig ist oder nicht.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie ist nicht widerspruchsfrei in Bezug darauf, was ihr Standpunkt ist und was nicht; in Bezug auf das, was sie vorschlägt; in Bezug auf ihr Verständnis einer Aussage; und in Bezug auf das richtige Vorgehen – dann ist diese Person nicht zum Diskutieren fähig.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie ist widerspruchsfrei in Bezug darauf, was ihr Standpunkt ist und was nicht; in Bezug auf das, was sie vorschlägt; in Bezug auf ihr Verständnis einer Aussage; und in Bezug auf das richtige Vorgehen – dann ist diese Person zum Diskutieren fähig.
An der Art, wie eine Person an einer Diskussion teilnimmt, kann man erkennen, ob sie zum Diskutieren fähig ist oder nicht.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie weicht dem Problem aus, lenkt das Gespräch auf Nebensächlichkeiten oder zeigt Ärger, Hass und Unmut, dann ist diese Person nicht zum Diskutieren fähig.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie weicht dem Problem nicht aus, lenkt das Gespräch nicht auf Nebensächlichkeiten und zeigt keinen Ärger, Hass oder Unmut, dann ist diese Person zum Diskutieren fähig.
An der Art, wie eine Person an einer Diskussion teilnimmt, kann man erkennen, ob sie zum Diskutieren fähig ist oder nicht.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie schüchtert ihr Gegenüber ein, macht es herunter, macht es lächerlich oder hängt sich an banalen Fehlern auf, dann ist diese Person nicht zum Diskutieren fähig.
Wenn eine Person etwas gefragt wird und sie schüchtert ihr Gegenüber nicht ein, macht es nicht herunter, macht es nicht lächerlich und hängt sich nicht an banalen Fehlern auf, dann ist diese Person zum Diskutieren fähig.
An der Art, wie eine Person an einer Diskussion teilnimmt, kann man erkennen, ob sie die nötigen Voraussetzungen besitzt oder nicht.
Wenn sie nicht die Ohren spitzt, besitzt sie nicht die nötigen Voraussetzungen; wenn sie die Ohren spitzt, besitzt sie die nötigen Voraussetzungen.
Wer die nötigen Voraussetzungen besitzt, erkennt ein Ding unmittelbar, versteht ein Ding vollständig, legt ein Ding ab und erlangt ein Ding –
und dann erfährt er vollständige Freiheit.
Das ist das Ziel des Diskutierens,
des Beratens,
des Nahebei-Sitzens
und des guten Zuhörens: die Befreiung des Geistes durch Nicht-Ergreifen.
Wer mit Feindseligkeit spricht,
seiner selbst zu sicher, überheblich,
unedel, wer Tugenden angreift,
solche suchen nach Fehlern im anderen.
Wenn ihr Gegner etwas schlecht sagt, einen Fehler macht,
verwirrt ist oder geschlagen wurde,
freuen sie sich miteinander darüber –
aber die Edlen diskutieren nicht so.
Wenn ein kluger Mensch diskutieren will,
so weiß er, wann die rechte Zeit ist
für die Diskussion, die Edle führen,
verbunden mit der Lehre und Bedeutung.
Der Bedächtige beginnt die Diskussion
ohne Feindschaft und Überheblichkeit,
unaufgeregt,
nicht geringschätzig oder angriffslustig.
Nicht eifersüchtig
spricht er über das, was er wohl verstanden hat,
stimmt dem zu, was gut gesagt wurde,
ohne zu schmähen, was schlecht gesagt wurde.
Er beharrt nicht darauf, zu bekritteln,
hängt sich nicht an banalen Fehlern auf,
schüchtert andere nicht ein oder macht sie herunter,
noch spricht er in Andeutungen.
Im Interesse von Erkennen und Klarheit
beraten sich gute Menschen.
So beraten sich die Edlen,
das ist eine edle Beratung.
Mit diesem Erkennen berät ein verständiger Mensch
ohne Überheblichkeit.“
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