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Inbrünstige Selbstkasteiung

Nummerierte Lehrreden 4.198

20. Das große Kapitel

Inbrünstige Selbstkasteiung

„Mönche und Nonnen, diese vier Personen findet man in der Welt.

Welche vier?

Da kasteit eine Person sich selbst, verschreibt sich der Übung der Selbstkasteiung.

Da kasteit eine Person andere, verschreibt sich der Übung, andere zu kasteien.

Da kasteit eine Person sich selbst und andere, verschreibt sich der Übung, sich und andere zu kasteien.

Da kasteit eine Person weder sich selbst noch andere, verschreibt sich der Übung, weder sich noch andere zu kasteien,

und lebt in eben diesem Leben ohne Wünsche, verloschen, kühl geworden, voller Seligkeit, mit göttlich gewordenem Selbst.

Und wie kasteit eine Person sich selbst, verschreibt sich der Übung der Selbstkasteiung?

Da geht jemand nackt, wahrt den Anstand nicht. Er leckt die Hände ab und kommt oder wartet nicht, wenn er gerufen wird. Er nimmt keine Speise an, die ihm gebracht wird oder eigens für ihn zubereitet wurde, auch keine Einladung zum Essen.

Er nimmt nichts aus einem Topf oder einer Schüssel an, nichts von jemandem, der Schafe hält, der eine Waffe oder einen Spaten im Haus hat, nichts von da, wo ein Paar isst, wo eine Frau schwanger ist, stillt oder mit einem Mann lebt, nichts von da, wo ein Hund wartet oder Fliegen summen. Er nimmt weder Fisch noch Fleisch an, weder Bier noch Wein, und trinkt keine vergorene Grütze.

Er geht um Almosen nur zu einem Haus und nimmt nur einen Bissen, oder zu zwei Häusern und zwei Bissen, bis zu sieben Häusern und sieben Bissen.

Er lebt von einem Schüsselchen voll am Tag, zwei Schüsselchen voll, bis zu sieben Schüsselchen voll am Tag.

Er isst einmal am Tag, einmal jeden zweiten Tag, bis zu einmal pro Woche und so weiter, selbst bis zu einmal in zwei Wochen. Er lebt hingegeben an die Übung, in festen Abständen zu essen.

Er isst Kräuter, Hirse, wilden Reis, mageren Reis, Wasserlattich, Reiskleie, Schaum von gekochtem Reis, Sesammehl, Gras oder Kuhmist. Er überlebt mit Wurzeln und Waldbeeren oder isst herabgefallene Früchte.

Er trägt Roben aus Hanf, Hanf-Mischgewebe, Leichentuch, Lumpen, Lodhrabaum-Rinde, Antilopenfell, Antilopenfell-Streifen, Gewebe aus Kusagras, Rinden- oder Holzstückchen, Menschenhaar, Pferdehaar oder Eulenflügeln.

Er reißt sich Haar und Bart aus, verschreibt sich dieser Übung.

Er steht fortwährend, verweigert einen Sitz.

Er sitzt in der Hocke, verschreibt sich dem Unterfangen des Hockens.

Er legt sich auf eine Dornenmatte, benutzt eine Dornenmatte als Bett.

Er betreibt die Übung des rituellen Badens dreimal am Tag, auch am Abend.

Und so lebt er und betreibt diese verschiedenen Arten, den Körper zu kasteien und zu schinden.

So kasteit eine Person sich selbst, verschreibt sich der Übung der Selbstkasteiung.

Und wie kasteit eine Person andere, verschreibt sich der Übung, andere zu kasteien?

Da schlachtet eine Person Schafe, Schweine, Geflügel oder Rotwild, geht der Jagd oder Fischerei nach, ist ein Räuber oder Henker, ein Rindermetzger oder Kerkermeister oder betreibt ein anderes unbarmherziges Geschäft.

So kasteit eine Person andere, verschreibt sich der Übung, andere zu kasteien.

Und wie kasteit eine Person sich selbst und andere, verschreibt sich der Übung, sich und andere zu kasteien?

Da ist eine Person ein gesalbter adliger König oder ein gutsituierter Brahmane.

Er lässt östlich der Stadt eine neue Zeremonienhalle bauen. Er rasiert sich Haar und Bart, kleidet sich in ein raues Antilopenfell und reibt seinen Körper mit Ghee und Öl ein. Er kratzt seinen Rücken mit einem Geweih und betritt die Halle mit seiner Hauptkönigin und dem brahmanischen Hohepriester.

Dort legt er sich auf den blanken, mit Gras bestreuten Boden.

Der König trinkt die Milch aus einer Zitze einer Kuh, die ein Kalb von gleicher Farbe hat. Die Hauptkönigin trinkt die Milch aus der zweiten Zitze. Der brahmanische Hohepriester trinkt die Milch aus der dritten Zitze. Die Milch aus der vierten Zitze wird der heiligen Flamme dargebracht. Das Kalb lebt von dem, was übrig bleibt.

Der König sagt:

‚So viele Stiere, Ochsen, Färsen, Ziegen, Widder und Pferde sollen für das Opfer geschlachtet werden! So viele Bäume sollen für die Ausstattung des Opfers gefällt und so viel Gras soll dafür geschnitten werden!‘

Seine abhängigen Diener, Dienstboten und Arbeiter verrichten die Arbeit unter Androhung von Strafe und Gefahr, sie weinen mit tränenüberströmtem Gesicht.

So kasteit eine Person sich selbst und andere, verschreibt sich der Übung, sich und andere zu kasteien.

Und wie kasteit eine Person weder sich selbst noch andere, verschreibt sich der Übung, weder sich noch andere zu kasteien,

und lebt in eben diesem Leben ohne Wünsche, verloschen, kühl geworden, voller Seligkeit, mit göttlich gewordenem Selbst?

Da erscheint ein Klargewordener in der Welt, ein Vollendeter, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.

Er hat diese Welt – mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, mit dieser Bevölkerung mit ihren Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen – durch eigene Einsicht erkannt und erklärt sie anderen.

Er verkündet eine Lehre, die am Anfang gut, in der Mitte gut und am Ende gut ist, bedeutsam und gut ausgedrückt. Und er legt ein geistliches Leben dar, das ganz vollständig und rein ist.

Ein Hausbesitzer hört diese Lehre, oder das Kind eines Hausbesitzers oder jemand, der in einer guten Familie wiedergeboren ist.

Er fasst Vertrauen zum Klargewordenen

und überlegt:

‚Das Hausleben ist eng und schmutzig, aber wenn man fortgezogen ist, ist das Leben weit offen.

Es ist nicht einfach, wenn man im Haus lebt, das geistliche Leben ganz vollständig und rein zu führen wie eine blank gescheuerte Muschel.

Warum rasiere ich mir nicht Haar und Bart, lege ockerfarbene Roben an und ziehe aus dem Haus fort ins hauslose Leben?‘

Nach einiger Zeit gibt er ein großes oder kleines Vermögen auf, verlässt einen großen oder kleinen Familienkreis. Er rasiert sich Haar und Bart, legt ockerfarbene Roben an und zieht aus dem Haus fort ins hauslose Leben.

Wenn er fortgezogen ist, nimmt er die Schulung und die Lebensweise der Mönche und Nonnen auf. Er gibt das Töten lebender Geschöpfe auf und tötet nicht mehr. Er verzichtet auf Stock und Schwert. Er ist einfühlsam und gütig und lebt voller Anteilnahme für alle Lebewesen.

Er gibt das Stehlen auf und stiehlt nicht mehr. Er nimmt nur, was gegeben wird, erwartet nur, was gegeben wird. Er hält sich selbst rein, indem er nicht stiehlt.

Er gibt unkeusches Verhalten auf und ist keusch. Er lebt abgesondert und vermeidet den vulgären Akt des Geschlechtsverkehrs.

Er gibt das Lügen auf und lügt nicht mehr. Er sagt die Wahrheit und hält sich an die Wahrheit. Er ist ehrlich und verlässlich und legt die Welt nicht mit seinen Worten herein.

Er gibt entzweiende Rede auf und entzweit niemanden mehr. Was er hier gehört hat, sagt er nicht dort, und was er dort gehört hat, nicht hier, um Menschen zu entzweien. Stattdessen versöhnt er die Uneinigen, fördert Einigkeit, freut sich an Eintracht, liebt die Eintracht und spricht Worte, die Eintracht fördern.

Er gibt harte Rede auf und redet nicht mehr hart. Seine Worte sind mild, dem Ohr gefällig, lieblich, zu Herzen gehend, höflich, vielen Menschen willkommen und angenehm.

Er gibt das Unsinnreden auf und redet keinen Unsinn mehr. Seine Worte kommen zur rechten Zeit, sind wahr, bedeutsam, im Einklang mit der Lehre und Schulung. Sie sind wertvoll, kommen zur rechten Zeit, sind begründet, treffend und nützlich.

Er unterlässt es, Pflanzen und Samen zu beschädigen.

Er isst zu einer Tageszeit und verzichtet auf das Essen bei Nacht und zur falschen Zeit.

Er unterlässt den Besuch von Tanz-, Gesangs- und Musikvorführungen.

Er unterlässt es, Kränze, Düfte und Make-up anzulegen und sich damit zu schmücken.

Er unterlässt die Benutzung hoher und üppiger Schlafstellen.

Er unterlässt es, Gold und Zahlungsmittel anzunehmen.

Er unterlässt es, rohes Getreide anzunehmen,

rohes Fleisch,

Frauen und Mädchen,

abhängige Diener und Dienerinnen,

Ziegen und Schafe,

Hühner und Schweine,

Elefanten, Rinder, Pferde und Stuten

sowie Felder und Grundstücke.

Er unterlässt es, Botengänge zu machen und Botschaften zu übermitteln,

zu kaufen und zu verkaufen.

Er unterlässt es, Gewichte, Metalle oder Maße zu fälschen,

zu bestechen, zu betrügen, zu täuschen und ein doppeltes Spiel zu spielen,

zu verstümmeln, zu morden, zu entführen, zu rauben, zu plündern und Gewalt anzuwenden.

Er ist zufrieden mit Roben, die den Körper einhüllen, und Almosen, das den Bauch füllt. Wohin er auch geht, da nimmt er nur diese Dinge mit.

Wie ein Vogel: Wohin er auch fliegt, die Flügel sind seine einzige Bürde.

Ebenso ist ein Mönch zufrieden mit Roben, die den Körper einhüllen, und Almosen, das den Bauch füllt. Wohin er auch geht, da nimmt er nur diese Dinge mit.

Wenn er diesen Umfang der edlen Tugend besitzt, erfährt er im Innern ein Glück, das ohne Tadel ist.

Wenn er mit dem Auge ein Bild sieht, bleibt er nicht an den Merkmalen und Einzelheiten hängen.

Wenn das Sehvermögen nicht gezügelt wäre, würden schlechte, untaugliche Eigenschaften von Begehrlichkeit und Verdrießlichkeit überhandnehmen. Aus diesem Grund übt er Zügelung, bewacht das Sehvermögen und hält es im Zaum.

Wenn er mit dem Ohr einen Ton hört …

Wenn er mit der Nase einen Geruch riecht …

Wenn er mit der Zunge einen Geschmack schmeckt …

Wenn er mit dem Körper eine Berührung empfindet …

Wenn er mit dem Geist eine Vorstellung erkennt, bleibt er nicht an den Merkmalen und Einzelheiten hängen.

Wenn das Vorstellungsvermögen nicht gezügelt wäre, würden schlechte, untaugliche Eigenschaften von Begehrlichkeit und Verdrießlichkeit überhandnehmen. Aus diesem Grund übt er Zügelung, bewacht das Vorstellungsvermögen und hält es im Zaum.

Wenn er diese edle Zügelung der Sinne besitzt, erfährt er im Innern eine fleckenlose Seligkeit.

Er handelt mit Situationsbewusstsein beim Ausgehen und Zurückkommen, beim Hin- und Wegschauen, beim Beugen und Strecken der Glieder, beim Tragen von äußerer Robe, Schale und Roben, beim Essen, Trinken, Kauen, Schmecken, beim Ausscheiden von Urin und Kot, beim Gehen, Stehen, Sitzen, Schlafen und Wachen, Reden und Schweigen.

Wenn er diesen Umfang der edlen Tugend, diese edle Zufriedenheit und diese edle Zügelung der Sinne sowie diese edle Achtsamkeit und das edle Situationsbewusstsein besitzt,

sucht er einen abgelegenen Platz auf: eine Wildnis, den Fuß eines Baumes, einen Hügel, eine Schlucht, eine Berghöhle, ein Leichenfeld, einen Wald, den freien Himmel, einen Strohhaufen.

Nach dem Essen kommt er vom Almosengang zurück, setzt sich mit gekreuzten Beinen hin, richtet den Körper gerade auf und verankert die Achtsamkeit bei sich.

Er gibt das Begehren nach der Welt auf, meditiert mit einem Herzen, das frei von Begehren ist, und läutert den Geist von Begehren.

Er gibt bösen Willen und Gehässigkeit auf, meditiert mit einem Herzen, das frei von bösem Willen ist, voller Anteilnahme für alle Lebewesen, und läutert den Geist von bösem Willen.

Er gibt Dumpfheit und Benommenheit auf, meditiert mit einem Herzen, das frei von Dumpfheit und Benommenheit ist, er nimmt Licht wahr, ist achtsam und der Situation bewusst und läutert den Geist von Dumpfheit und Benommenheit.

Er gibt Rastlosigkeit und Reue auf, meditiert ohne Rastlosigkeit, mit innerlich friedvollem Geist, und läutert den Geist von Rastlosigkeit und Reue.

Er gibt den Zweifel auf, meditiert, indem er über den Zweifel hinausgegangen ist, nicht im Unklaren über taugliche Eigenschaften, und läutert den Geist von Zweifel.

Er gibt diese fünf Hindernisse auf, die Verunreinigungen des Herzens, die die Weisheit schwächen.

Dann tritt er, ganz abgeschieden von den Sinnenfreuden, abgeschieden von untauglichen Eigenschaften, in die erste Vertiefung ein und verweilt darin … Er tritt in die zweite Vertiefung ein … er tritt in die dritte Vertiefung ein … er tritt in die vierte Vertiefung ein und verweilt darin.

Wenn der Geist so im Samādhi versunken ist – geläutert, hell, makellos, fleckenlos, geschmeidig, formbar, stetig und unbewegt –, dann streckt er ihn aus und projiziert ihn auf die Erinnerung an frühere Leben …

auf das Erkennen von Tod und Wiedergeburt der Lebewesen …

auf das Erkennen der Auflösung der Befleckungen.

Er versteht wahrhaftig: ‚Das ist das Leiden.‘ … ‚Das ist der Ursprung des Leidens.‘ … ‚Das ist das Aufhören des Leidens.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören des Leidens führt.‘

Er versteht wahrhaftig:‚Das sind die Befleckungen.‘ … ‚Das ist der Ursprung der Befleckungen.‘ … ‚Das ist das Aufhören der Befleckungen.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören der Befleckungen führt.‘

Wenn er das erkennt und sieht, ist sein Geist befreit von den Befleckungen der Sinnlichkeit, des Wunsches nach Wiedergeburt und der Unwissenheit.

Wenn er befreit ist, weiß er, er ist befreit.

Er versteht: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘

So kasteit eine Person weder sich selbst noch andere, verschreibt sich der Übung, weder sich noch andere zu kasteien,

und lebt in eben diesem Leben ohne Wünsche, verloschen, kühl geworden, voller Seligkeit, mit göttlich gewordenem Selbst.

Das sind die vier Personen, die man in der Welt findet.“

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