Nummerierte Lehrreden 4.200
20. Das große Kapitel
Zuneigung
„Mönche und Nonnen, diese vier Dinge werden geboren.
Welche vier?
Zuneigung wird aus Zuneigung geboren,
Hass wird aus Zuneigung geboren,
Zuneigung wird aus Hass geboren
und Hass wird aus Hass geboren.
Und wie wird Zuneigung aus Zuneigung geboren?
Da ist einer Person eine andere erwünscht, willkommen und angenehm.
Andere behandeln diese auf erwünschte, willkommene und angenehme Art.
Die Person denkt:
‚Diesen anderen ist die Person erwünscht, die mir erwünscht ist.‘
Und da entsteht Zuneigung zu ihnen.
So wird Zuneigung aus Zuneigung geboren.
Und wie wird Hass aus Zuneigung geboren?
Da ist einer Person eine andere erwünscht, willkommen und angenehm.
Andere behandeln diese auf unerwünschte, unwillkommene und unangenehme Art.
Die Person denkt:
‚Diesen anderen ist die Person unerwünscht, die mir erwünscht ist.‘
Und da entsteht Hass zu ihnen.
So wird Hass aus Zuneigung geboren.
Und wie wird Zuneigung aus Hass geboren?
Da ist einer Person eine andere unerwünscht, unwillkommen und unangenehm.
Andere behandeln diese auf unerwünschte, unwillkommene und unangenehme Art.
Die Person denkt:
‚Diesen anderen ist die Person unerwünscht, die mir unerwünscht ist.‘
Und da entsteht Zuneigung zu ihnen.
So wird Zuneigung aus Hass geboren.
Und wie wird Hass aus Hass geboren?
Da ist einer Person eine andere unerwünscht, unwillkommen und unangenehm.
Andere behandeln diese auf erwünschte, willkommene und angenehme Art.
Die Person denkt:
‚Diesen anderen ist die Person erwünscht, die mir unerwünscht ist.‘
Und da entsteht Hass zu ihnen.
So wird Hass aus Hass geboren.
Das sind die vier Dinge, die geboren werden.
Es kommt eine Zeit, da tritt ein Mönch … in die erste Vertiefung ein und verweilt darin.
Zu dieser Zeit ist in ihm keine Zuneigung, die aus Zuneigung geboren ist, kein Hass, der aus Zuneigung geboren ist, keine Zuneigung, die aus Hass geboren ist, und kein Hass, der aus Hass geboren ist.
Es kommt eine Zeit, da tritt ein Mönch … in die zweite … in die dritte … in die vierte Vertiefung ein und verweilt darin.
Zu dieser Zeit ist in ihm keine Zuneigung, die aus Zuneigung geboren ist, kein Hass, der aus Zuneigung geboren ist, keine Zuneigung, die aus Hass geboren ist, und kein Hass, der aus Hass geboren ist.
Es kommt eine Zeit, da erlangt ein Mönch mit der Auflösung der Befleckungen in eben diesem Leben die fleckenlose Freiheit des Herzens, die fleckenlose Freiheit durch Weisheit, erkennt sie durch eigene Einsicht und lebt darin.
Zu dieser Zeit ist jegliche Zuneigung, die aus Zuneigung geboren ist, jeglicher Hass, der aus Zuneigung geboren ist, jegliche Zuneigung, die aus Hass geboren ist, und jeglicher Hass, der aus Hass geboren ist, aufgegeben, an der Wurzel abgeschnitten, sodass sie wie der Stumpf einer Palme sind, dass sie ausgelöscht sind und sich in Zukunft nicht mehr erheben können.
Das nennt man einen Mönch, der weder nahekommt noch zurückstößt, weder raucht noch in Brand gerät noch abbrennt.
Und wie kommt ein Mönch nahe?
Da betrachtet ein Mönch Form als das Selbst, das Selbst als etwas, das Form hat, Form als im Selbst oder das Selbst als in der Form.
Er betrachtet Gefühl als das Selbst, das Selbst als etwas, das Gefühl hat, Gefühl als im Selbst oder das Selbst als im Gefühl.
Er betrachtet Wahrnehmung als das Selbst, das Selbst als etwas, das Wahrnehmung hat, Wahrnehmung als im Selbst oder das Selbst als in der Wahrnehmung.
Er betrachtet Willensbildungsprozesse als das Selbst, das Selbst als etwas, das Willensbildungsprozesse hat, Willensbildungsprozesse als im Selbst oder das Selbst als in Willensbildungsprozessen.
Er betrachtet Bewusstsein als das Selbst, das Selbst als etwas, das Bewusstsein hat, Bewusstsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewusstsein.
So kommt ein Mönch nahe.
Und wie kommt ein Mönch nicht nahe?
Da betrachtet ein Mönch nicht Form als das Selbst, das Selbst als etwas, das Form hat, Form als im Selbst oder das Selbst als in der Form.
Er betrachtet nicht Gefühl als das Selbst, das Selbst als etwas, das Gefühl hat, Gefühl als im Selbst oder das Selbst als im Gefühl.
Er betrachtet nicht Wahrnehmung als das Selbst, das Selbst als etwas, das Wahrnehmung hat, Wahrnehmung als im Selbst oder das Selbst als in der Wahrnehmung.
Er betrachtet nicht Willensbildungsprozesse als das Selbst, das Selbst als etwas, das Willensbildungsprozesse hat, Willensbildungsprozesse als im Selbst oder das Selbst als in Willensbildungsprozessen.
Er betrachtet nicht Bewusstsein als das Selbst, das Selbst als etwas, das Bewusstsein hat, Bewusstsein als im Selbst oder das Selbst als im Bewusstsein.
So kommt ein Mönch nicht nahe.
Und wie stößt ein Mönch zurück?
Da beschimpft jemand einen Mönch, belästigt ihn oder streitet mit ihm und er wiederum beschimpft den anderen, belästigt ihn und streitet mit ihm.
So stößt ein Mönch zurück.
Und wie stößt ein Mönch nicht zurück?
Da beschimpft jemand einen Mönch, belästigt ihn oder streitet mit ihm und er wiederum beschimpft den anderen nicht, belästigt ihn nicht und streitet nicht mit ihm.
So stößt ein Mönch nicht zurück.
Und wie raucht ein Mönch?
Wenn es das Konzept ‚Ich bin‘ gibt, gibt es auch die Konzepte ‚Ich bin so‘, ‚Ich bin derartig‘, ‚Ich bin anders‘, ‚Ich bin flüchtig‘, ‚Ich bin dauerhaft‘, ‚Mein‘, Mein ist so‘, ‚Mein ist derartig‘, ‚Mein ist anders‘, ‚Auch mein‘, ‚Mein ist auch so‘, ‚Mein ist auch derartig‘, ‚Mein ist auch anders‘, ‚Ich werde sein‘, ‚Ich werde so sein‘, ‚Ich werde derartig sein‘, ‚Ich werde anders sein‘.
So raucht ein Mönch.
Und wie raucht ein Mönch nicht?
Wenn es das Konzept ‚Ich bin‘ nicht gibt, gibt es auch nicht die Konzepte ‚Ich bin so‘, ‚Ich bin derartig‘, ‚Ich bin anders‘, ‚Ich bin flüchtig‘, ‚Ich bin dauerhaft‘, ‚Mein‘, Mein ist so‘, ‚Mein ist derartig‘, ‚Mein ist anders‘, ‚Auch mein‘, ‚Mein ist auch so‘, ‚Mein ist auch derartig‘, ‚Mein ist auch anders‘, ‚Ich werde sein‘, ‚Ich werde so sein‘, ‚Ich werde derartig sein‘, ‚Ich werde anders sein‘.
So raucht ein Mönch nicht.
Und wie gerät ein Mönch in Brand?
Wenn es das Konzept ‚Deshalb bin ich‘ gibt, gibt es auch die Konzepte ‚Deshalb bin ich so‘, ‚Deshalb bin ich derartig‘, ‚Deshalb bin ich anders‘, ‚Deshalb bin ich flüchtig‘, ‚Deshalb bin ich dauerhaft‘, ‚Deshalb mein‘, Deshalb ist mein so‘, ‚Deshalb ist mein derartig‘, ‚Deshalb ist mein anders‘, ‚Deshalb auch mein‘, ‚Deshalb ist mein auch so‘, ‚Deshalb ist mein auch derartig‘, ‚Deshalb ist mein auch anders‘, ‚Deshalb werde ich sein‘, ‚Deshalb werde ich so sein‘, ‚Deshalb werde ich derartig sein‘, ‚Deshalb werde ich anders sein‘.
So gerät ein Mönch in Brand.
Und wie gerät ein Mönch in nicht Brand?
Wenn es das Konzept ‚Deshalb bin ich‘ nicht gibt, gibt es auch nicht die Konzepte ‚Deshalb bin ich so‘, ‚Deshalb bin ich derartig‘, ‚Deshalb bin ich anders‘, ‚Deshalb bin ich flüchtig‘, ‚Deshalb bin ich dauerhaft‘, ‚Deshalb mein‘, Deshalb ist mein so‘, ‚Deshalb ist mein derartig‘, ‚Deshalb ist mein anders‘, ‚Deshalb auch mein‘, ‚Deshalb ist mein auch so‘, ‚Deshalb ist mein auch derartig‘, ‚Deshalb ist mein auch anders‘, ‚Deshalb werde ich sein‘, ‚Deshalb werde ich so sein‘, ‚Deshalb werde ich derartig sein‘, ‚Deshalb werde ich anders sein‘.
So gerät ein Mönch nicht in Brand.
Und wie brennt ein Mönch ab?
Da hat ein Mönch die Einbildung ‚ich bin‘ nicht aufgegeben, nicht an der Wurzel abgeschnitten, sodass sie wie der Stumpf einer Palme ist, dass sie ausgelöscht ist und sich in Zukunft nicht mehr erheben kann.
So brennt ein Mönch ab.
Und wie brennt ein Mönch nicht ab?
Da hat ein Mönch die Einbildung ‚ich bin‘ aufgegeben, an der Wurzel abgeschnitten, sodass sie wie der Stumpf einer Palme ist, dass sie ausgelöscht ist und sich in Zukunft nicht mehr erheben kann.
So brennt ein Mönch nicht ab.“
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