Verbundene Lehrreden 22.86
9. Das Kapitel mit Altehrwürdigen
Mit Anurādha
Einmal hielt sich der Buddha bei Vesālī am Großen Wald auf, in der Halle mit dem Giebeldach.
Zu dieser Zeit hielt sich der Ehrwürdige Anurādha nicht weit vom Buddha in einer Hütte in der Wildnis auf.
Da gingen mehrere Wanderer anderer Konfessionen zum Ehrwürdigen Anurādha und tauschten Willkommensgrüße mit ihm aus.
Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzten sie sich zur Seite hin und sagten zu ihm:
„Geehrter Anurādha, wenn ein Klargewordener einen Klargewordenen beschreibt – einen unübertrefflichen Menschen, den höchsten Menschen, der den höchsten Punkt erreicht hat –, dann beschreibt er ihn auf diese vier Arten:
‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort oder er besteht nach dem Tod nicht fort oder er besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort oder er besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort.‘“
Darauf sagte der Ehrwürdige Anurādha zu diesen Wanderern:
„Geehrte, wenn ein Klargewordener einen Klargewordenen beschreibt – einen unübertrefflichen Menschen, den höchsten Menschen, der den höchsten Punkt erreicht hat –, dann beschreibt er ihn anders als auf diese vier Arten:
‚Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort oder er besteht nach dem Tod nicht fort oder er besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort oder er besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort.‘“
Daraufhin sagten die Wanderer zu ihm:
„Dieser Mönch muss neu im Orden sein, kürzlich fortgezogen, oder ein törichter, unfähiger älterer Mönch.“
Und nachdem sie den Ehrwürdigen Anurādha zurechtgewiesen hatten, indem sie ihn „neu“ und „töricht“ nannten, erhoben sich die Wanderer von ihren Sitzen und gingen.
Kurz nachdem sie weggegangen waren, dachte Anurādha:
„Wenn diese Wanderer weiter fragen würden,
wie sollte ich ihnen antworten, sodass ich die Worte des Buddha wiedergebe und ihn nicht mit einer Unwahrheit falsch darstelle? Wie wäre meine Erklärung im Einklang mit der Lehre, und wie gäbe es keinen rechtmäßigen Grund für eine Gegendarstellung und Tadel?“
Da ging der Ehrwürdige Anurādha zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und berichtete ihm von der Begebenheit.
„Was denkst du, Anurādha?
Ist Form beständig oder unbeständig?“
„Unbeständig, Herr.“
„Aber wenn sie unbeständig ist, ist sie Leiden oder Glück?“
„Leiden, Herr.“
„Aber wenn sie unbeständig und Leiden ist und zugrunde gehen muss, kann man sie dann so ansehen:
‚Das ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst‘?“
„Nein, Herr.“
„Ist Gefühl …
Wahrnehmung …
Sind Willensbildungsprozesse …
Ist Bewusstsein beständig oder unbeständig?“
„Unbeständig, Herr.“ …
„Daher solltest du jegliche Art … sehen …
Wenn er das sieht …
Er versteht: ‚… es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘
Was denkst du, Anurādha?
Siehst du einen Klargewordenen als Form an?“
„Nein, Herr.“
„Siehst du einen Klargewordenen als Gefühl …
als Wahrnehmung …
als Willensbildungsprozesse …
als Bewusstsein an?“
„Nein, Herr.“
„Was denkst du, Anurādha?
Siehst du einen Klargewordenen als in der Form an?“
„Nein, Herr.“
„Oder siehst du einen Klargewordenen als von Form getrennt an?“
„Nein, Herr.“
„Siehst du einen Klargewordenen als im Gefühl an …
oder als vom Gefühl getrennt …
als in der Wahrnehmung …
oder als von der Wahrnehmung getrennt …
als in Willensbildungsprozessen …
oder als von Willensbildungsprozessen getrennt …
als im Bewusstsein …
oder als vom Bewusstsein getrennt?“
„Nein, Herr.“
„Was denkst du, Anurādha?
Siehst du einen Klargewordenen als jemanden an, der Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein besitzt?“
„Nein, Herr.“
„Was denkst du, Anurādha?
Siehst du einen Klargewordenen als jemanden an, der ohne Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein ist?“
„Nein, Herr.“
„In diesem Fall, Anurādha, da du einen Klargewordenen nicht einmal in eben diesem Leben finden kannst, ist es da angemessen, zu erklären:
‚Geehrte, wenn ein Klargewordener einen Klargewordenen beschreibt – einen unübertrefflichen Menschen, den höchsten Menschen, der den höchsten Punkt erreicht hat –, dann beschreibt er ihn anders als auf diese vier Arten:
„Ein Klargewordener besteht nach dem Tod fort oder er besteht nach dem Tod nicht fort oder er besteht nach dem Tod fort und besteht auch nicht fort oder er besteht nach dem Tod weder fort, noch besteht er nicht fort“‘?“
„Nein, Herr.“
„Gut, gut, Anurādha!
Wie früher, so beschreibe ich auch heute das Leiden und das Aufhören des Leidens.“
Kommentar [1]
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