Lehrreden-Sammelband 2.2
Fäulnis
„Hirse, wilde Gräser, Besenkorn,
Blätter, Wurzelknollen, Beeren –
das essen die Guten, rechtmäßig erhalten.
Sie lügen nicht, um zu bekommen, was sie wollen.
Doch wenn du vorzügliche Speisen isst,
gut gekocht und zubereitet, von andern gespendet,
wenn du ein erlesenes Reisgericht genießt,
Kassapa, dann isst du Fäulnis.
‚Fäulnis ist für mich nicht angemessen‘,
so sagtest du, Brahmane nur der Verwandtschaft nach.
Doch hier genießt du ein erlesenes Reisgericht,
gut gekocht mit Geflügelfleisch.
Ich frage dich dieses, Kassapa:
Was verstehst du unter Fäulnis?“
„Geschöpfe töten, verstümmeln, morden, entführen,
stehlen, lügen, täuschen und betrügen,
krumme Zaubersprüche lernen, Ehebruch:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Menschen hier mit unbezähmter Sinnlichkeit,
gierig nach Geschmäcken, in Unreinheit durchmischt,
Nihilisten, unmoralisch, widerspenstig:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Grobe und brutale Verleumder,
mitleidlose, selbstgefällige Freundesbetrüger,
Knauser, die nie etwas abgeben:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Zorn, Eitelkeit, Starrsinn, Trotz,
Betrug, Eifersucht, Prahlsucht,
Selbstgefälligkeit, Nähe zu Bösen:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Die Ungezogenen, Schuldenflüchtlinge, Verleumder,
Berufsschwindler und Hochstapler,
widerliche Menschen, die Frevel begehen:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Menschen, ungezügelt gegen Geschöpfe,
die von andern nehmen, auf Grausamkeit aus,
tugendlos, unbarmherzig, hart, ohne Rücksicht auf andere:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Zu andern gierig, feindselig, angriffslustig
und dem Bösen verfallen – diese Wesen gehen in die Dunkelheit,
sie stürzen kopfüber in die Hölle:
Das ist Fäulnis, nicht Fleischessen.
Nicht Fisch noch Fleisch oder Fasten,
nicht Nacktheit, Kahlköpfigkeit, Rastalocken oder Schmutz,
kein raues Fell, keine Huldigung der heiligen Flamme
oder all die vielen endlosen Bußübungen in der Welt,
nicht Hymnen oder Speiseopfer, Opfer oder jahreszeitliche Gelübde
läutern einen Sterblichen, der nicht frei von Zweifel ist.
Die Ströme der Sinneseindrücke bewacht, die Sinne verstanden, wandere so,
indem du auf der Lehre stehst und dich an Aufrichtigkeit und Nachgiebigkeit erfreust.
Der Bedächtige ist seinen Ketten entschlüpft und hat alles Leiden aufgegeben;
er hängt nicht an Gesehenem und Gehörtem.“
Der Buddha erklärte ihm diese Sache wieder und wieder,
bis der Meister der Hymnen sie verstand.
Sie wurde mit reichhaltigen Strophen ausgeschmückt
vom Abgeklärten, der frei von Fäulnis war, ungebunden, schwer zu verfolgen.
Als er die guten Worte des Buddha gehört hatte,
der frei von Fäulnis war, alles Leiden abgeschüttelt;
verneigte er sich demütig vor dem Klargewordenen
und bat eben da um die Weihe des Fortziehens.
Kommentar [1]
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