Strophen der altehrwürdigen Mönche 16.10
Das Zwanzigerbuch
1. Das erste Kapitel
Pārāsariya (3)
Dieser Gedanke kam dem Asketen
im blütenübersäten Wald,
als er allein dasaß
und abgeschieden meditierte:
„Das Verhalten der Mönche und Nonnen
scheint heute anders als damals,
als der Beschützer der Welt,
der beste der Menschen, noch hier war.
Sie trugen ihre Roben nur, um die Schamteile zu bedecken
und sich vor Kälte und Wind zu schützen.
Sie hielten beim Essen Maß,
zufrieden mit allem, was sie erhielten.
Ob das Essen grob oder erlesen war,
wenig oder viel,
sie aßen nur zu ihrem Erhalt,
ohne Gier oder Gefräßigkeit.
Nach den Bedarfsgegenständen des Lebens
wie Stärkungsmitteln und anderen Hilfsmitteln
waren sie nicht so begierig
wie nach der Auflösung der Befleckungen.
In der Wildnis, am Fuß eines Baumes,
in Höhlen und Kavernen
pflegten sie Abgeschiedenheit
und lebten mit nur diesem Ziel.
Sie waren einfache Dinge gewohnt, fielen nicht zur Last,
waren nachgiebig, nicht wichtigtuerisch im Herzen,
fleckenlos, nicht großmäulig,
ihre Gedanken auf das Ziel gerichtet.
Darum weckten sie Zuversicht
mit ihrer Art, sich zu bewegen, zu essen und zu üben;
Ihr Betragen war so ebenmäßig
wie ein Strom von Öl.
Mit der endgültigen Auflösung aller Befleckungen
sind diese altehrwürdigen Mönche nun verloschen.
Sie meditierten großartig, waren große Wohltäter –
solche wie sie gibt es heute wenige.
Mit der Auflösung
von guten Grundsätzen und Weisheit
ist die Lehre des Siegers, die alle ausgezeichneten Eigenschaften besitzt,
zerfallen.
Das ist die Zeit
für schlechte Grundsätze und Befleckungen.
Die, die zur Abgeschiedenheit bereit sind,
sind alles, was vom wahren Dhamma übrig ist.
Die Befleckungen nehmen zu
und ergreifen von den meisten Menschen Besitz;
sie spielen mit Toren, so scheint es mir,
wie Ungeheuer mit Verrückten.
Von Befleckungen überwältigt
rennen sie hierhin und dahin
zwischen den Grundlagen für Befleckungen,
als hätten sie sich selbst den Krieg erklärt.
Sie haben die wahre Lehre aufgegeben
und streiten miteinander.
Sie folgen Irrlehren
und denken: ‚Das ist besser.‘
Vermögen, Kind und Frau
schneiden sie ab und ziehen fort.
Doch dann tun sie, was sie nicht tun sollten,
um eines schäbigen Löffels Almosen willen.
Sie essen, bis ihr Bauch voll ist,
dann liegen sie auf dem Rücken und schlafen.
Wenn sie aufwachen, reden sie fortwährend
die Art von Rede, die der Lehrer tadelte.
Sie schätzen alle Künste und Handwerke
und schulen sich darin.
Sie denken, innerlich nicht zur Ruhe gekommen:
‚Das ist das Ziel des Asketenlebens.‘
Sie versorgen Hausbesitzer
mit Ton, Öl und Puder,
mit Wasser, Unterkünften und Speisen
und erwarten im Gegenzug mehr.
Hinzu kommen Zahnstocher, Portiablüten,
Blumen, essbare Speisen,
gut gekochte Almosenspeise,
Mangos und Amlas.
Bei der Medizin sind sie wie Ärzte,
bei Geschäften wie Hausbesitzer,
beim Make-up wie Hetären
und beim Herrschen wie Adlige.
Betrüger, Schwindler,
falsche Zeugen, Heimlichtuer:
Mit vielen Absichten
genießen sie die fleischlichen Dinge.
Sie betreiben Augenwischerei, Erfindungsreichtum und Pläne
und sammeln mit solchen Mitteln
für ihren eigenen Lebenserwerb
viel Vermögen an.
Sie versammeln die Gemeinschaft
für Geschäfte statt für den Dhamma.
Sie lehren andere den Dhamma
um des Gewinns, nicht um des Ziels willen.
Die, die vom Saṅgha abgeschnitten sind,
streiten über den Besitz des Saṅgha.
Sie sind gewissenlos und schämen sich nicht,
von den Einkünften anderer zu leben.
Manche mit geschorenem Kopf und Robe
sind nicht der Übung geweiht,
sondern wollen nur geehrt werden,
besessen von Besitz und Ehre.
Wenn es so weit gekommen ist,
ist es heute nicht leicht,
zu erkennen, was noch nicht erkannt ist,
oder zu bewahren, was erkannt ist.
Barfuß auf einem dornigen Pfad
würde man äußerst achtsam gehen;
so soll ein Abgeklärter
im Dorf gehen.
Wenn man sich an die Yogis von einst erinnert
und ihr Verhalten betrachtet,
kann man selbst in den späten Tagen
noch verwirklichen, was frei vom Tod ist.“
Das sprach im Salbaumwäldchen
der Asket, dessen Fähigkeiten vollkommen entwickelt waren.
Der Brahmane, der Seher, erlosch,
beendete alle künftigen Leben.
Kommentar [2]
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