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Commentaries [2]

Das abhängige Entstehen stellt die Entfaltung der Existenz mittels einer Reihe von zwölf Gliedern dar, die beschreiben, wie unsere Reaktion auf die gegenwärtige Erfahrung künftiges Leiden schafft. Als Überblick siehe meinen Leitfaden zu den Verbundenen Lehrreden (eine überarbeitete Fassung ist nur auf Englisch verfügbar; A.d.Ü.). | Um den Kontext für diese Terminologie besser zu verstehen, gebe ich einige nicht-buddhistische Verwendungen an, besonders von Texten, die der Zeit und dem Ort des Buddha am nächsten sind. In der nächsten Lehrrede sehen wir, wie der Buddha diese Begriffe für seine Zwecke neu definierte. Ich vermerke auch Neuschöpfungen, die Innovationen durch den Buddha sein könnten. (Sujato)

Als eine Darstellung des Entstehens der Dinge ist das abhängige Entstehen Schöpfungsmythen vergleichbar, die Jahrhunderte vor dem Buddha verfasst wurden und im zehnten und letzten Abschnitt des Rigveda zu finden sind: Vielleicht gab es ein Meer an Dunkelheit, von dem aus das Wesen vom Feuer geformt und von Begehren in Bewegung versetzt wurde (Rigveda 10.129); oder die Welt wurde aus dem Opfer des kosmischen Mannes gestaltet (10.90); oder der Anfang war ein Goldenes Ei, ein Schöpfer, der später Pajāpati genannt wurde, aber zunächst als „Wer?“ bekannt war (10.121). Von dem, der nicht zu kennen war, erschienen zahllose Namen und Formen, alle durch ihren gemeinsamen Ursprung verbunden und im Ritual zusammengewoben (10.130). Die Verbindungen (nidāna) sind von Geheimnis ummantelt, nur den Dichtern bekannt (10.114.2), die die Wahrheit schützen, indem sie die höchsten Namen verbergen (10.5). | Beachte, dass der vedische Schlüsselbegriff für Schöpfung (sṛj) im Buddhismus geflissentlich vermieden wird. (Sujato)

„Abhängig“ ist paṭicca, aus der Wurzel i („gehen“) und der Vorsilbe paṭi („zurück-“); es hat die Bedeutung „zurückgehen auf, zurückkehren zu, zurückgreifen auf, abhängen von, erfordern“. Es ist die Gerundform des Verbs pacceti, dessen Substantivform paccaya ist („Abhängigkeit, Erfordernis“). Es wird typischerweise für die gebraucht, die zum Vater Pajāpati „zurückkehren“ oder auf ihn „zurückgreifen“, um die Dunkelheit zu vertreiben (Śatapatha-Brāhmaṇa 11.5.5..3, 7) oder Weisheit zu suchen (2.2.4.16, vgl. Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 6.2.4). | „Entstehen“ ist samuppāda. Das ist kein normaler vorbuddhistischer Begriff, aber wir erfahren, dass „alle Wesen aus Raum entstehen“ und in den Raum zurückkehren (Chāndogya-Upaniṣad 1.9.1). Häufiger finden wir den verwandten Begriff abhisampad im Sinn von „wird, erreicht, erwirbt“ ein(en) Körper (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.3.8), Göttlichkeit (BU 4.3.33, CU 8.15.1) oder allgemeiner das Ergebnis seiner Taten (BU 4.4.5). (Sujato)

„Wissen“ (veda) war den unsterblichen Göttern eigen, daher ist Wissen selbst unsterblich, während Unwissenheit (avijjā), da sie vergänglich ist, den Tor von Leben zu Leben in Leiden gefangen hält. Wissen und Unwissenheit sind Teil der Gegebenheit der Sterblichen (Atharvaveda 11.8.23). „Ein Mensch durchquert den Tod durch Unwissenheit und erlangt Unsterblichkeit durch Wissen“ (Īśa-Upaniṣad 11; vgl. Paiṅgala-Upaniṣad 2.11, Śvetāśvatara-Upaniṣad 5.1, Muṇḍaka-Upaniṣad 1.2.9). (Sujato)

Frühe Bedeutungen von saṅkhāra (Sanskrit samas kurva, saṁskāra) schließen „errichten“ (Rigveda 1.38.12) und „herrichten“ ein, wobei „herrichten“ auch „aktivieren, befähigen“ bedeutet, wie etwa ein Heer für die Schlacht (RV 8.33.9, 8.77.11) oder ein Opfer (RV 5.76.2). Es wird für das „Wiederbeleben“ oder „Verjüngen“ des Gottes Pajāpati gebraucht, wenn er durch den Schöpfungsakt verbraucht ist wie ein heruntergebranntes Feuer oder ein Mann nach Geschlechtsverkehr (Śatapatha-Brāhmaṇa 7.2.1.5 et passim). Der Opferer setzt damit den schöpferischen Prozess fort, indem er ein neues Selbst oder einen neuen Körper baut (10.4.1.2). Das Ritual wird mit Körper, Sprache und Geist in vollem Gewahrsein „verrichtet“ (Chāndogya Upaniṣad 4.16.2–3), dabei „verjüngt“ oder „belebt“ es das Selbst (Kauṣītaki-Upaniṣad 2.6). So wurde der schöpferische Akt von moralischen „Willensbildungsprozessen“ bestimmt: Ein Mensch wird etwas Gutes durch gute Taten und etwas Schlechtes durch schlechte Taten (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.4.5). Diese Bedeutung hallt im späteren Gebrauch von saṁskāra als „Übergangsritus“ nach, wo die Zeremonie einen Menschen darauf vorbereitet oder dazu ermächtigt, von einem Lebensabschnitt in den nächsten überzutreten. (Sujato)

„Bewusstsein“ (viññāṇa, Sanskrit vijñāna) bedeutet „klar erkennen, verstehen“ und damit das Gewahrsein, das sich all dessen bewusst ist, was vor sich geht. Das „Selbst“ ist der Mensch, der aus Bewusstsein gemacht ist (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 2.1.16). Ein Sterbender gibt Körper und Sinne auf, wird eins mit dem Bewusstsein, von früherem Wissen und Tun umschlungen (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.4.2). Er greift nach einem neuen Leben und wird dort verankert, wie eine Raupe, die sich von einem Blatt zum nächsten bewegt. (Sujato)

„Name“ (nāma) und „Form“ (rūpa) sind die Mittel, durch die wir eine Person von solchem Namen und solcher Erscheinung identifizieren (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 1.4.7). Die Welt manifestiert sich als Name, Form und Handlung (1.6.1). Ein tugendhafter Mensch gibt seine alte Form auf (denn „das Alter verändert unsere Form wie eine Wolke“, Rigveda 1.72.10) und gestaltet eine bessere als Gott usw. (BU 4.4.4). Wie die Flüsse ihre individuellen Namen und Formen verlieren, wenn sie ins Meer münden, so kehrt die befreite Seele zum kosmischen Mann zurück (Muṇḍaka-Upaniṣad 3.8, Praśna-Upaniṣad 6.5). „Name“ (nāma) wird auch in den verschiedenen Zweigen der vedischen Lehre definiert (Chāndogya-Upaniṣad 7.1.4). (Sujato)

Ein „Feld“ (āyatana) ist eine „Bleibe“ oder ein „passender Ort“, an dem man Ruhe findet und sicher ist. Vor dem Buddha wurden die Sinne unsystematisch behandelt – Anzahl und Reihenfolge variieren und sie werden mit anderen Dingen vermengt. Śatapatha-Brāhmaṇa 10.5.20 etwa sagt, wenn ein Mann schlafe, dann denke, schmecke, rieche, sehe oder höre er nicht mehr. Oder nehmen wir Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.1, wo von unangemessenen („einfüßigen“) Erscheinungsformen Brahmās die Rede ist: Sprache, Atem, Auge, Ohr, Geist (mano), Herz. (Sujato)

„Kontakt“ (phassa, Sanskrit sparśa) ist die von der Haut gefühlte Berührung (Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 2.4.11, 3.2.9). Das Wort wird poetisch erweitert zu der Vorstellung, den „Himmel“ (Rigveda 2.41.20), das „Herz“ (4.1.1) oder die „Wahrheit“ (4.50.3) zu berühren wie auch zur heilenden Berührung der Hände (10.137.7). Ähnlich behandeln Jainas Kontakt als körperliche Berührung (Tattvārtha-Sūtra 5.23) und legen nahe, dass sein Gebrauch als allgemeiner Ausdruck für Sinneskontakt eine buddhistische Neuerung war. (Sujato)

„Gefühl“ (vedanā) scheint vor dem Buddha nicht im Sinn einer hedonistischen Erfahrung gebraucht worden zu sein, aber wir finden es im Jainismus (Tattvārtha-Sūtra 3.3, 9.32). (Sujato)

„Verlangen“ (taṇhā, Sanskrit tṛṣṇā) scheint immer im wörtlichen Sinn von „Durst“ gebraucht zu werden. (Sujato)

„Ergreifen“ (upādāna) findet sich in späteren Texten weit verbreitet im Sinn von „für sich nehmen, sich aneignen“ und daher „beziehen“ und ebenso im Sinn von „materielle Ursache“. Doch es scheint nicht vorbuddhistisch zu sein. (Sujato)

Die Vorstellung von drei „Welten“ (loka) oder „Daseinszuständen“ (bhava) haben, in unterschiedlichen Definitionen, Buddhismus, Hinduismus und Jainismus gemeinsam. Ursprünglich bezog sie sich auf die Erde (bhū, pṛthivi), den Mittelraum (antarikṣa) und die Himmel (diva, svarga), die jeweiligen Aufenthaltsorte der Menschen, der Ahnen und der Götter. In der Mythologie, die den Veden zugrunde liegt, wurden sie durch Indras Heldentaten gebildet: Von Soma gestärkt erschlug er zuerst den Drachen Vṛtra, der die Welt in eine Masse aus Dunkelheit einband, dann trennte er die Erde vom Himmel, sodass dazwischen der Mittelraum entstand (Rigveda 2.15), und schuf so die sichtbare und verstehbare Welt. Obwohl aber sowohl Jainas als auch Hindus bhava im Sinn von „Verlauf des Umherwanderns“ oder „fortgesetzte Reihe von Wiedergeburten“ kennen, kann ich dies nicht vor den Buddhismus zurückverfolgen. (Sujato)

Was nach dem Tod geschieht, wird auf vielfältige Arten beschrieben, aber es wurde allgemein so verstanden, dass ein Mensch durch den einen oder anderen Vorgang wiedergeboren wird und dass sich das fortsetzt, bis man seine Erkenntnis vervollkommnet hat. Zum Beispiel sagt Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.4.19, die Unerleuchteten gehen „von Tod zu Tod“. (Sujato)

Zum allgemeinen Vorgang des abhängigen Entstehens vergleiche Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.4.5–7, wo es heißt, wie ein Mann begehre, so wolle er, wie er wolle, so handle er, und was er tue, erlange er. Der, der haftet, geht mit seinen Taten zu dem Ort, an den er sich klammert. Wenn diese Tat erschöpft ist, kehrt er in diese Welt und zu weiteren Taten zurück. Aber wenn er ohne Begehren ist und nur das Selbst begehrt, erreicht er den unsterblichen Brahmā. (Sujato)

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